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Die AGACH,
ihre Identität und ihre Ziele

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  Dr. Siegfried Tappeiner, Ehrenpräsident

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I. AGACH - Entstehung und Territorium
(Sinn und Zweck)

Als am 20. Jänner 1979 in einem feierlichen Akt im Südtiroler Landtag die AGACH aus der Taufe gehoben wurde, war dies zu einer Zeit, als der völkerverbindende Charakter der EU langsam Konturen annahm. Schon damals kam die kulturelle, soziale aber auch ökonomische Eigenart der kleinen Räume - der Regionen in Europa zum Vorschein. Aus diesen Erwägungen schlossen sich die Regionen des zentralen Alpenbogens zur ARGE-ALP zusammen, um diesen ökologisch wie kulturell sensiblen Raum durch das politische Zusammenwirken der Regierungen behutsam in den großeuropäischen Bereich zu integrieren, ohne die durch Jahrhunderte gewachsene Lebensform zu gefährden oder gar in Frage zu stellen.

In diesem politischen Gedankenfeld fanden kulturelle Verantwortungsträger es an der Zeit, sich in ihrem Bereich für eine gemeinsame Strategie im Hinblick auf Wahrung der Tradition, Überwindung von Gegensätzen durch Dialog und Entwicklung von Ideen zur Vision eines die Eigenart der jeweiligen Region wahrenden gemeinsamen Weges in die Zukunft einzusetzen.

Im Gründungsakt wurden der Zweck und die Ziele der AGACH noch relativ vage formuliert, da die Gemeinschaft sich erst an ein gemeinsames Handlungsgremium mit festen Zielen herantasten mußte.

Zweck war es, die Chorverbände der Alpenregionen näher zu bringen und gemeinsam Initiativen auf musikalisch-kulturellem Feld zu starten. Dies ist bis heute so geblieben, ja diese projektorientierte Arbeit ist sehr intensiv geworden, so daß fast immer zwei Veranstaltungen im Jahr ablaufen.

Das Territorium, das diese ARGE abdeckt, umfaßt den gesamten Bogen der Alpen. Die AGACH ist in Aosta genauso präsent wie in Graubünden und im Fürstentum Liechtenstein, in Vorarlberg wie in Bayern, in Tirol wie Salzburg, in Oberösterreich wie in Kärnten und in Südtirol wie im Trentino mit Ausläufern bis nach Friaul.

Die AGACH ist keine Institution im strengen Sinn, sondern vielmehr ein identitätsstiftendes Instrument, das internationale Zusammenarbeit zu einem bestimmten Themenbereich anregt. Meistens, das ist die bisherige Erfahrung, wirken die Projekte der AGACH durchaus befruchtend auf die Tätigkeit der Verbände. Sie ermöglichen eine Bereicherung in den Aktivitäten der Chöre des jeweiligen Verbandes sowohl im kulturellen als auch im sozial-humanen Bereich.

Es hat sich, das kann mit Genugtuung gesagt werden, die Prophezeiung des damaligen hochverehrten Landeshauptmannes von Südtirol, Dr. Silvius Magnago verwirklicht: Aus der politischen Vision eines engen Zusammenwachsens der Bevölkerung des Alpengebietes ist eine geistige und kulturelle Einheit von singenden Menschen des Alpenbogens geworden.

II. Kulturelle Gemeinsamkeiten
(Volkslied, Canto della montagna, Madrigal oder alte Musik) - Brauchtum, Tradition, Dialekte und Sprachen

Um die herausragenden Schritte zu dieser großen Übereinstimmung im musikalischen Feld zu nennen, ist vor allem das eindeutig prägende tradierte Liedgut der Alpen, das alpenländische Volkslied, als Meilenstein gegenwärtig. Mit der Pflege des geistlichen und weltlichen Liedgutes des Alpenbereiches hat die AGACH unendlich zur Bewahrung von altem kulturellem Schatz der einzelnen Regionen beigetragen. Begleitet wurden und werden diese Projekte durch eine tiefe Reflexion in wissenschaftlichen Symposien, wo Experten die theoretischen Grundlagen liefern. Über allem Divergierenden steht aber das Einigende und die Übernahme des Liedgutes aus den verschiedenen Regionen durch die jeweiligen Chöre führt zum Verständnis für die Kultur und die Sprache der Bewohner dieser Regionen untereinander.

Wie wichtig der Dialekt auch in den musikalischen Äußerungen im Lied ist, bewies eine Initiative, die schon sehr früh unter dem Titel: "Mundart im Chorlied" gestartet wurde und ungeahnte schöpferische Kräfte sowohl im Literarischen wie auch im Musikalischen freisetzte.

Ein Wesensmerkmal vieler Alpenregionen ist das Wandern und Klettern in der schönen Bergwelt und so bot sich ganz selbstverständlich auch der Umgang mit dem Berglied an. Vor allem die romanofonen Regionen verfügen über einen reichen Schatz an "Canti della Montagna", deren berühmtester Interpret wohl der SAT-Chor aus dem Trentino ist. Im Zuge dieser Vorbilder haben sich viele Chöre aus den Alpenregionen mit neuen und alten Bergliedern auseinandergesetzt. Die Thematik besingt nicht nur etwa das Almleben oder die lustige Sennerin, sondern die Themen greifen Schmerz und Leid der Kriege, die gerade im 1. Weltkrieg die Alpen nicht verschont haben, aber auch den Glauben und die Umweltproblematik auf. Das Menschliche im Dasein des Alpenbewohners wird zunehmend in den Mittelpunkt des Schaffens von Musikern und Dichtern gestellt. Es ist oft eine ungeschminkte Wiedergabe der Daseinsproblematik, der von Naturkatastrophen bedrohten Menschen, ob in Aosta, in Friaul, in Südtirol oder anderswo. Dazu gehört auch die ökonomische Situation, die nicht überall rosig erscheint und zu Abwanderungen führt.

Dass der Alpenraum auch hohe musikalische Schöpfungen vom Mittelalter bis in unsere Tage aufweist, zeigen die Madrigalprojekte und die zeitgenössische Musik, die in anspruchsvollen Konzerten zu Gehör gebracht werden.

Was immer wieder fasziniert, ist das Gemeinsame in den musikalischen Schwerpunkten wie eben Volkslied, Berglied, Madrigal oder auch das Zeitgenössische, das allen Regionen gemeinsam ist, wo höchstens der Text die Herkunft aus den verschiedenen Regionen verrät, wo aber das Thema identisch ist. Dies zeigt auch viel von Mentalität, die alle verbindet, die anspricht und die eben auch in der musikalischen Wiedergabe zum Ausdruck kommt, ein Zeugnis kultureller Identität.

Überall im Bereich der AGACH ist auch noch das Festhalten an den Trachten als Identitätsmerkmal und Traditionsverbundenheit zu sehen. Wenn Chöre bei Volksliedkonzerten aus den verschiedenen Landschaften in ihrer Tracht auftreten, kann man höchstens durch die Farben unterscheiden, ob sie aus Aosta oder aus Bayern kommen. Wie überhaupt der Habitus der Menschen, ernst und doch humorvoll, oft mit nicht verletzender Ironie gepaart, die Gespräche untereinander und mit anderen kennzeichnet. Auch in der Bewegung spürt man die Ruhe und die Verwurzlung an die Scholle, als ob es noch Bauern wären und das Untriebsame vermeiden möchten.

Die Verständigungsbereitschaft ist trotz Sprachbarrieren sehr hoch. Ein ungemein positiver Aspekt einer solchen Arbeitsgemeinschaft ist ja die Verständigung untereinander über Sprachen, Grenzen und Sozialgefüge hinweg. Im freien Austausch von Musik gibt es ein einmaliges aufeinander Zugehen.

Man hört sich, man versteht die Sprache der Musik lange bevor man die gesprochene Sprache des anderen verstehen kann. Doch über die Verständigung durch Musik, gelingt der Sprung zur Verständigung des Gesprochenen viel leichter. Während der gemeinsamen Momente nach Konzerten haben wir immer wieder gestaunt, wie leicht sich Freundschaften über alle Barrieren hinweg schließen lassen. Und wie oft beginnt der enge Kontakt zwischen den Chören verschiedener Regionen über den Austausch von eben gesungenen Liedern, die faszinierten. Die Vielfalt der Sprachen und Dialekte, der Traditionen, des Brauchtums, der Mentalität ist der Reichtum der AGACH, gewachsen in diesen Jahren ihres Bestehens und als einmalige Chance zur Völkerverbindung genutzt.

Die AGACH wird jetzt erst recht an ihrem Ziel festhalten, Brücken zwischen den verschiedenen Regionen zu bauen, Botschafter in der Verständigung, des Friedens zu sein und die gemeinsame musikalische Welt des Alpenbogens zu hüten und in eine gute und erfolgreiche Entwicklung zu bringen.

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